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Klima & Umwelt: Wie sauber ist Heizen mit Holz?

Holz gilt als erneuerbar, ist aber nicht automatisch „klimaneutral". Es kommt auf Herkunft, Zeitraum und Vergleich an.

Zuletzt aktualisiert: · Lesezeit etwa 3 Min.

Auf einen Blick: Holz setzt beim Verbrennen biogenes CO₂ frei, das Bäume zuvor gebunden haben. Die Klimawirkung hängt von Herkunft und Zeitraum ab. Der deutsche Wald hat zwischen 2017 und 2022 netto Kohlenstoff verloren (rund 42 Mio. t C in der lebenden Biomasse). Pellets aus Sägenebenprodukten gelten als vertretbar, Holz, das stofflich nutzbar wäre, als schlechtere Wahl. Holzfeuerungen sind zudem eine relevante Feinstaubquelle.
Gestapelte Holzstämme von der Stirnseite
Gestapeltes Rundholz. Holz sollte möglichst zuerst stofflich genutzt werden. Symbolfoto.

Das Prinzip: biogenes CO₂

Ein Baum nimmt beim Wachsen Kohlendioxid auf und baut es in Holz ein. Verbrennt das Holz, wird dieses CO₂ wieder frei. Verrottet das Holz im Wald, wird es ebenfalls irgendwann frei, nur langsamer. Bei Öl und Gas ist das anders: Sie setzen Kohlenstoff frei, der Millionen Jahre unter der Erde gebunden war. Deshalb gilt Holz in der Klimabilanz als erneuerbar, der CO₂-Preis wird auf Holz nicht erhoben.

Das ist die eine Seite. Die andere: Zwischen dem Verbrennen und dem Nachwachsen vergehen Jahrzehnte. Wer den Klimaeffekt in den nächsten 20 bis 30 Jahren betrachtet, kommt für Holz zu einer ungünstigeren Bilanz als jemand, der 100 Jahre ansetzt. Das ist ein Grund, warum Fachleute über die Rolle von Holzenergie streiten.

Was die Bundeswaldinventur zeigt

Der deutsche Wald hat zwischen 2017 und 2022 mehr Kohlenstoff abgegeben als aufgenommen. In der lebenden Biomasse wurden im Zeitraum bis 2017 noch rund 52 Millionen Tonnen Kohlenstoff zusätzlich gespeichert; in den fünf Jahren danach gingen rund 42 Millionen Tonnen verloren (Thünen-Institut). Die Gründe sind Trockenheit, Stürme und der Borkenkäfer, nicht in erster Linie Holzentnahme. Insgesamt sind im Wald in Deutschland rund 2,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, davon etwa 1,18 Milliarden in lebenden Bäumen.

Was heißt das für Pellets? Wenn der Wald unter Druck steht, ist es umso wichtiger, wofür Holz verwendet wird. Pellets aus Sägenebenprodukten verwerten Holz, das ohnehin angefallen ist. Pellets aus Holz, das sonst als Möbel oder Bauholz gedient hätte, wären dagegen eine schlechtere Wahl. In den Debatten um die Förderung von Holzenergie ist das der Kern der Kritik.

Kaskadennutzung

Der Fachbegriff heißt Kaskadennutzung: Holz sollte zuerst stofflich verwendet werden (Bauholz, Möbel, Papier) und erst am Ende des Lebenszyklus oder als Reststoff energetisch. Pellets passen in dieses Modell, wenn sie aus Spänen, Restholz und Waldrestholz bestehen. Wer eine Pelletheizung betreibt, kann nach Herkunft und Zertifikat fragen. Pelletlieferanten nennen teils die Rohstoffherkunft oder sind über Nachhaltigkeitssiegel zertifiziert.

Feinstaub und Luftqualität

Bei jeder Holzverbrennung entstehen Staub und Stickoxide. Moderne Pelletkessel verbrennen kontrolliert und sind deutlich sauberer als alte Einzelöfen oder offene Kamine. Trotzdem gelten Holzfeuerungen in privaten Haushalten als relevante Feinstaubquelle, vor allem in Wohngebieten und bei Inversionswetterlagen im Winter. Wer eine Pelletheizung betreibt, sollte auf geringe Emissionswerte, regelmäßige Wartung und gute Pelletqualität achten. Für die Förderfähigkeit gelten technische Mindestanforderungen, auch bei den Emissionen (siehe Förderung).

Was dafür und was dagegen spricht

DafürDagegen
Nutzt Reststoffe der HolzwirtschaftHolz-CO₂ wirkt kurzfristig im Klima, bevor neue Bäume nachwachsen
Regionaler Brennstoff, kurze WegeFeinstaub, vor allem bei schlechter Wartung oder schlechten Pellets
Kein fossiler Kohlenstoff, kein CO₂-PreisWald steht durch Dürre und Borkenkäfer unter Druck; zusätzlicher Holzbedarf ist umstritten
Für Altbauten mit hohen Vorlauftemperaturen oft gut geeignetLagerraum nötig; Wärmepumpen haben häufig eine bessere Gesamtbilanz, wenn das Haus dafür geeignet ist

Die Frage „Pellet oder Wärmepumpe?" lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt von Dämmstand, Heizkörpern, Platz, Strommix und Kosten ab. Eine unabhängige Energieberatung (zum Beispiel über die Verbraucherzentrale) rechnet das für Ihr Haus durch.